Aktuelle Wetterdaten
Lufttemperatur: 7.0 (°C)
Windgeschw.:17.3 (km/h)
Windrichtung: W-S-W, 255.0 °
Globalstrahlung: 168.1 (W/m²)
Niederschlag: 0.0 (ltr/m²)
(Stand: 19.02.2020, 10:00 Uhr,
 S-Mitte, Schwabenzentrum)
Weitere Luft- u. Wetterdaten
Mehr zum Wetter in Stuttgart
Aktueller Sonnenstand
Webcams in Stuttgart
Vorhersage Region Stuttgart 
Vorhersage Europa 
Niederschlagsradar Baden-W. 
Weitere Links
Neues und Aktuelles
Die Witterung im Jahr 2019, Meteorologischer Jahresbericht Stuttgart Hohenheim
Jahresbericht 2019
Infos zum neuen Klimasparbuch Stuttgart 2020
Klimasparbuch
Luft: Neue Pressemitteilungen
Sommertage und Heiße Tage in Stuttgart (Grafiken)
UV-Index Prognose der BfS
Stadtklimaviewer: Karten und Pläne mit detaillierten Themen- karten zu Klima, Luft und Lärm
Lärmkarten Stuttgart 2017
Lärmaktionsplan Stuttgart
Luftreinhalteplan Stuttgart
Infos zum Feinstaub-Alarm
NO2- und PM10 Überschreitungen
Aktuelle Messwerte an den Messstationen der LUBW
Bildergalerie     Weitere News
9. Folgerungen f├╝r die Planung Stuttgart 21

Die topographische Situation des Stuttgarter Talkessels erweist sich vom Standpunkt der Stadtklimatologie als bedeutsamer Planungsfaktor:

Das Entwicklungsgebiet Stuttgart 21 flankiert die Achse des Nesenbachtals, in dem talparallele Winde (S├╝dwest- und Nordostwinde zusammen) mit 34 % H├Ąufigkeit bei weitem vorherrschen. Der Windrichtungskanalisierung ├╝berlagert sich in diesem Tal noch ein tagesperiodisches Windsystem, so dass in der Nachtzeit aufgrund von Kaltluftfl├╝ssen und eines sich daraus entwickelnden Bergwindes allein die Windrichtung S├╝dwest im Mittel mit 38 % H├Ąufigkeit vorkommt. Das Nesenbachtal ist somit die Hauptbel├╝ftungsachse des zwischen Heslach und Bad Cannstatt gelegenen Innenstadtbereichs.

Der im Nesenbachtal in H├Âhe des Hauptbahnhofs vorspringende Kriegsberg und die gegen├╝berliegende Uhlandsh├Âhe bewirken eine starke Einengung des Talverlaufs. Vor allem in diesem Bereich (Plangebiete A1 und A2) aber auch im Plangebiet B w├╝rde eine hohe, sperrige Bebauung eine unerw├╝nschte Behinderung der talparallelen Durchl├╝ftung bewirken. Wohl aber ist im Gebiet A1 und A2 eine fl├Ąchenhaft verdichtete verh├Ąltnism├Ą├čig niedrige Bebauungsform denkbar. Zur Frage stadtklimavertr├Ąglicher Bebauungsh├Âhen und Bauk├Ârperanordnung kann erst nach Auswertung der noch ausstehenden Untersuchungen Stellung genommen werden. Die im Entwurf zum Rahmenkonzept angesprochene Traufh├Âhe von 20 m d├╝rfte sich dabei als realistischer Ansatz erweisen. Die entsprechenden Modellberechnungen erlauben es auch, Entwurfsvarianten auf vergleichbarer Grundlage hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Durchl├╝ftung zu vergleichen.

Das heutige Bahngel├Ąnde im Vorfeld des Hauptbahnhofs sowie beim Paketpostamt, Lokomotiv- und Abstellbahnhof bedeutet einen terrassenf├Ârmigen Eingriff in die nat├╝rliche Topographie des Nesenbachtales. Auch herrschen bei dieser Anlage k├╝nstliche Baustoffe vor, und der Versiegelungsgrad wird mit mehr als 90 % f├╝r den Bereich des Wagengut- und Hauptbahnhofs (Plangebiete A1 und A2) sowie zwischen 76 % und 90 % f├╝r die ├╝brigen Gleisanlagen (Plangebiete C1, C2 und B) in der Bodenversiegelungskarte entsprechend hoch angegeben (LANDESHAUPTSTADT STUTTGART, 1989).

Vom meteorologischen Standpunkt unterscheiden sich jedoch die baulich nicht genutzten Gleisanlagen trotz Vegetationsmangels und fehlender nat├╝rlicher Oberfl├Ąche in positiver Weise von den im Sinne des Wortes versiegelten Baugebieten, Pl├Ątzen und Verkehrsfl├Ąchen: Das Schotterbett der Gleisanlagen l├Ąsst die Versickerung von Niederschl├Ągen zu, so da├č sich entsprechende Verdunstungsbeitr├Ąge ergeben. Das Gel├Ąnde ist auch vergleichsweise hindernisarm und bietet deshalb der Windstr├Âmung nur geringen Widerstand.

Die Anzahl der Tage mit thermischer Belastung (Schw├╝le-Empfindung) liegt im Bereich des Bahngel├Ąndes zwar ebenso hoch wie in der Innenstadt und ist nur dort geringer, wo Vegetationsbestand vorherrscht; doch k├╝hlen die Gleisanlagen nachts viel st├Ąrker ab als st├Ądtische Bebauung und bilden somit im Verbund mit Schlo├čgarten und Rosensteinpark eine Unterbrechung der st├Ądtischen W├Ąrmeinsel zwischen der Innenstadt und Bad Cannstatt. Wie auch Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes ergeben haben, hat das Kleinklima von Bahnanlagen mehr ├ähnlichkeit mit dem Freilandklima als mit dem st├Ądtischer Bebauung. Dieser Umstand kommt der Frischluftversorgung des Stuttgarter Talkessels durch n├Ąchtliche Kaltluftfl├╝sse entgegen.

Mit einer Intensivierung der baulichen Nutzung (Plangebiet A1) bzw. der Umnutzung von Gleisanlagen f├╝r bauliche Zwecke (├╝brige Plangebiete) ist stets auch eine unerw├╝nschte Zunahme der Lufttemperatur verbunden (urbaner W├Ąrmeinseleffekt). Um bei der schon gegebenen thermischen Belastung des Stuttgarter Talkessels (mit hoher Anzahl schw├╝ler Tage) Unzutr├Ąglichkeiten zu vermeiden, wird es sich als notwendig erweisen, insbesondere im Plangebiet B Kompensationsfl├Ąchen vorzusehen, die dem angrenzenden Rosensteinpark und dem schmalen Band des Schlo├čparks zugeschlagen werden sollten. Daf├╝r bietet sich vor allem der ├ťbergangsbereich zwischen Rosensteinpark und Schlo├čgarten bei der Ehmannstra├če an, der sich k├╝nftig auch bez├╝glich lokaler Bel├╝ftungsbeitr├Ąge aus dem Neckartal ├Âffnen sollte.

Die zur Minderung der thermischen Auswirkungen geplanter Bebauung erforderlichen Vegetationsfl├Ąchen, aber auch die Gr├╝nausstattung der Baugebiete selbst kann erst in Folgeuntersuchungen auf der Grundlage konkreter st├Ądtebaulicher Entw├╝rfe quantifizert werden. Schon jetzt soll die Notwendigkeit von Dach- und Fassadenbegr├╝nung, die intensive Begr├╝nung nicht ├╝berbauter Grundst├╝cksteile und eine wirkungsvolle Vernetzung der so gewonnenen Gr├╝nbereiche mit den gr├Â├čeren innerst├Ądtischen Gr├╝nfl├Ąchen (Pragfriedhof, Schlo├čgarten, Rosensteinpark, IGA-Gel├Ąnde) angesprochen werden. Insbesondere sollte auch im s├╝dwestlichen Teil von Gebiet B eine Kompensationsfl├Ąche geschaffen werden, die au├čer der Vergr├Â├čerung der Parkfl├Ąche eine engere Verkn├╝pfung von Pragfriedhof und Schlo├čgarten und damit auch die M├Âglichkeit kleinr├Ąumigen Luftaustausches bietet. Eine Bebauung hingegen w├╝rde Pragfriedhof und Schlo├čgarten mehr voneinander abriegeln als dies heute der Fall ist.

Da thermische Unbehaglichkeit bzw. das Auftreten sommerlicher Schw├╝le haupts├Ąchlich eine Folge fehlender Ventilation bei starker Einstrahlung ist, sollten au├čer dem Zugewinn von Vegetationsfl├Ąchen auch in diesem Zusammenhang Gesichtspunkte der Durchl├╝ftung beachtet werden. Dabei sind die M├Âglichkeiten des lokalen Luftaustauschs durch n├Ąchtliche Kaltluftfl├╝sse (Hangabwinde) von besonderem Interesse.

Das Entwicklungsgebiet Stuttgart 21 wird von drei ├Ârtlichen Frischluftschneisen des nordwestlich angrenzenden H├Âhenr├╝ckens tangiert. Von S├╝d nach Nord sind dies

- die M├Ânchhalde (in der Achse Kriegsberg - T├╝rlenstra├če - Wolframstra├če),

- die Eckhartshalde (in der Achse Kochenhof - Heilbronner Stra├če - Pragfriedhof),

- die Wartberg-/Steinberg-Klinge (in der Achse Killesberg - Nordbahnhof).

Die letztgenannte Frischluftschneise setzt sich als ehemaliges Tal des St├Ârzbaches entlang der Ehmanstra├če bis zum Unteren Schlo├čgarten fort. Hier gilt es, die baulichen Eingriffe durch Bahnbetriebswerk Rosenstein und das Paketpostamt r├╝ckg├Ąngig zu machen und das St├Ârzbachtal als Frischluftschneise voll zu reaktivieren. Diese Forderung bedingt auch eine gr├Â├čere Durchl├Ąssigkeit der heute dieses Tal nahe dem Nordbahnhof querenden Bahnd├Ąmme. Die lufthygienische Situation stellt sich im Entwicklungsgebiet Stuttgart 21 vergleichsweise g├╝nstig dar, da es sich um eine Fl├Ąche mit geringer Emissionst├Ątigkeit handelt, die zudem an emissionsfreie Parkanlagen grenzt und mit den benachbarten Hanglagen des Stuttgarter Nordens ├╝ber gleichfalls g├╝nstige Voraussetzungen verf├╝gt. Das Untersuchungsgebiet ist jedoch von sehr stark belasteten Stra├čenz├╝gen umgeben. Es wird darauf ankommen, die neuen Baufl├Ąchen effektiv zu erschlie├čen, ohne damit eine Ausweitung immissionsbelasteter Bereiche in das Entwicklungsgebiet hinein zu f├Ârdern. Die heute geringe Freisetzung von Luftschadstoffen sollte auch ein k├╝nftiges Merkmal des Entwicklungsgebietes bleiben. Dies setzt eine im Versorgungsgebiet emissionsfreie Energie- bzw. Heizw├Ąrmeversorgung voraus. Die Messungen und Berechnungen der Schadstoffbelastung an den Stra├čen (s. Kapitel 7) zeigen, da├č insbesondere in Bezug auf das Plangebiet die Heilbronner Stra├če z. T. auch die Wolframstra├če h├Âhere Belastungen aufweisen. Dies mu├č bei der Ausgestaltung der Bebauung im Planungsabschnitt A 1 ber├╝cksichtigt werden. Eine geschlossene Randbebauung an der Heilbronner Stra├če und Wolframstra├če sollte aus Bel├╝ftungsgr├╝nden deshalb unterbleiben. Die Untersuchung zu den stadtklimatischen Grundlagen f├╝r "Stuttgart 21" sind noch nicht abgeschlossen, so da├č derzeit eine abschlie├čende Beurteilung noch nicht abgegeben werden kann.

Die Karte (Abb. 9-1) stellt somit nur eine vorl├Ąufige Umsetzung der st├Ądtebaulichen Anforderungen an die Planung dar.

Abb. 9-1: Vorl├Ąufige stadtklimatologische Hinweise f├╝r die Planung Stuttgart 21


 
 

© Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, Abt. Stadtklimatologie